Brandvorfall: «An die Folgen eines längeren Stillstands denkt man nicht als erstes»

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Die sichtbaren Folgen eines Feuers sind schnell klar: beschädigte Räume, defekte Geräte, anfallende Reparaturen. Doch Brandereignisse sind im geschäftlichen Kontext zumeist nicht «nur» ein Sachschaden. Nämlich dann, wenn sie den Betrieb einschränken oder ganz unterbrechen – ein Risiko, das oft und gerne unterschätzt wird. Denn an die Folgen eines längeren Stillstands oder eines eingeschränkten Betriebs denkt man beim Thema Brandschutz oft nicht als erstes. Darum sollte sich jedes Unternehmen die Frage stellen: Wie schnell können wir nach einem Brand wieder handlungsfähig sein?

Konkret bedeutet ein Betriebsunterbruch, dass gar nicht oder nur teilweise gearbeitet werden kann. Weil Anlagen ausfallen, Bereiche gesperrt sind oder Rauch und Russ Räumlichkeiten unbenutzbar machen. Um trotzdem weiterzumachen, entstehen häufig Zusatzkosten: zum Beispiel für Mietgeräte, Ausweichflächen oder Fremdproduktion. Und auch das Timing kann ungünstig sein. Fällt ein Hotel in der Hochsaison aus, kann sich das nicht nur negativ auf den Umsatz, sondern auch auf die langfristige Kundenbindung auswirken – wenn Stammgäste nächstes Jahr vielleicht nochmal woanders buchen.

Eine weitere häufige Fehleinschätzung ist die Folgende: «Dann ersetzt die Betriebsunterbrechungsversicherung einfach den Umsatz.» Doch so funktioniert es in der Regel nicht. Meist wird nicht der gesamte Umsatz ersetzt, sondern nur der Teil, der dem Betrieb nach Abzug der variablen Kosten fehlt. Denn wenn ein Unternehmen stillsteht, fallen bestimmte Ausgaben gar nicht an, etwa für Waren, Material oder einzelne Leistungen. Im Fokus der Versicherung stehen deshalb die Fixkosten und der entgangene Gewinn. Zudem gilt ein Betriebsunterbruch häufig nur dann als gedeckt, wenn der Stillstand auf einen versicherten Sachschaden zurückgeht, also wenn tatsächlich ein Schaden an Gebäude, Einrichtungen oder Anlagen entstanden ist. «Indirekte» Unterbrüche, etwa wegen Sperrungen, fehlendem Zugang oder Problemen in der Umgebung, sind je nach Konstellation nicht oder nur teilweise abgedeckt.

Und selbst wenn Inventar ersetzt worden ist, heisst das nicht, dass der Betrieb sofort normal läuft. Rauchfolgen, Reinigungs- und Freigabeprozesse oder Abhängigkeiten (IT, Strom, Schlüsselanlagen) verlängern die Ausfallzeit oft deutlich. In Einzelfällen können sogar Folgethemen der Brandbekämpfung zusätzlichen Aufwand auslösen, etwa wenn Löschmittel zu Kontaminationen führt (beispielsweise per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen PFAS in Feuerlöschschäumen) und die Sanierung/Entsorgung komplex wird.

Was hilft, ist eine nüchterne Standortbestimmung: Was stoppt unseren Betrieb am schnellsten, bzw. am stärksten? Wie lange wären wir realistisch eingeschränkt und wie lange im Worst Case? Und welche Ausweichlösungen und Zuständigkeiten sowie Ressourcen brauchen wir, damit der Betrieb im Notfall zumindest reduziert weiterlaufen kann? Wer diese Fragen vorab klärt, mindert die Zeit des Stillstands, Zusatzkosten und Folgeschäden.